Stimme des Lichts

Delaunay, Apollinaire und der Orphismus

02.12.2017 bis 02.04.2018

Wassily Kandinsky, Ohne Titel (Komposition), 1919, 
<br>Aquarell auf Papier, 26,5 x 29,2 cm, Rahmenmaß 69,5 x 55,5 x 3,2 cm, Museum Ulm – Dauerleihgabe des Landes Baden-Württemberg

Wassily Kandinsky, Ohne Titel (Komposition), 1919,
Aquarell auf Papier, 26,5 x 29,2 cm, Rahmenmaß 69,5 x 55,5 x 3,2 cm, Museum Ulm – Dauerleihgabe des Landes Baden-Württemberg
Foto: Armin Buhl, Ulm

Adresse:
Wilhelm-Hack-Museum
Berliner Straße 23
67059 Ludwigshafen
Beschreibung:

Am 11. Oktober 1912 hält der Dichter Guillaume Apollinaire in der Pariser Galerie La Boëtie einen Vortrag, in dem er den Kubismus in vier verschiedene Strömungen unterteilt: den „wissenschaftlichen“ und den „physischen“ auf der einen sowie den „orphischen“ und den „instinktiven“ Kubismus auf der anderen Seite. Unter orphischem Kubismus versteht er die Kunst, „neue Ganzheiten mit Elementen zu malen, die nicht der visuellen Wirklichkeit entlehnt, sondern gänzlich vom Maler erschaffen wurden; er verleiht ihnen eine machtvolle Wirklichkeit.“ Als einer der Ersten beschreibt Apollinaire damit eine vollkommen abstrakte Kunst. In den wenigen Jahren, die bis zum Ersten Weltkrieg bleiben, versucht er den Orphismus als eigenständige, radikale Avantgarde-Bewegung zu etablieren. Er beschreibt damit keinen einheitlichen künstlerischen Stil, sondern sammelt darunter Werke, in denen sich kubistische, futuristische und expressionistische Ansätze treffen und einer „reinen“, von der figürlichen Konvention befreiten Kunst den Weg bereiten. 

Daher werden so unterschiedlich arbeitende Künstlerinnen und Künstler wie Sonia und Robert Delaunay, Paul Klee, František Kupka, Fernand Léger, August Macke und Francis Picabia zu dem ein oder anderen Zeitpunkt als dem Orphismus zugehörig angesehen. Ihre Abstraktion gründet auf der syste-matischen Auseinandersetzung mit Farblehren, zeitgenössischen naturwissenschaftlichen Entdeckungen und esoterisch-spirituellen Lehren. Für Apollinaire war die innovative Schlagkraft der abstrakten Werkkonzepte von ebenso großer Bedeutung, wie ihre Anbindung an kulturhistorische Traditionen.

Kuratiert von:
Dr. Nina Schallenberg
Sparten:
Bildende Kunst, Malerei